"Neid ist die beste Form der Anerkennung"

Jasmin Ouschan Jasmin Ouschan

Österreichs Billard-Aushängeschild Jasmin Ouschan im sportnet.at-Interview über die Heim-EM in St. Johann, Faszination Billard, Duelle mit den Männern, schlechte Verlierer und steigendes Medien-Interesse.

sportnet.at: Von 16. bis 25. April findet die EM in St. Johann/Pongau statt. Was sind deine Ziele?

Jasmin Ouschan: “Das große Ziel ist es, Goldmedaillen in allen drei möglichen Disziplinen, also den EM-Hattrick, zu holen. Das ist natürlich ein riesengroßes Ziel, das hat zuvor noch keiner geschafft. Außerdem ist es ein langes Turnier.”

Du hast schon sechs Mal EM-Gold geholt. Dennoch ist eine Heim-EM wohl ein ganz besonderes Highlight.

“Natürlich. Es ist ein riesengroßes Event und wir haben sonst nie die Chance, in Österreich zu spielen. Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch mehr Druck. Es ist eine große Chance, in der Heimat mein Können zu zeigen, viele Leute haben mich ja noch nie spielen gesehen.”

In welcher Disziplin sind deine Chancen am größten bzw. hast du eine Lieblingsdisziplin?

“14/1 und 9er-Ball sind eigentlich meine starken Disziplinen, aber es gibt überall genug starke Konkurrenz. Letztes Jahr habe ich aber interessanterweise im 8er-Ball EM-Gold geholt. 14/1 und 9er-Ball, das bei 90 Prozent der Turniere gespielt wird, sind viel actionreicher. Da geht einfach mehr die Post ab, es macht daher einfach mehr Spaß.”

Jasmin Ouschan Jasmin Ouschan

Was macht für dich die Faszination am Billard-Sport aus?

“Es war schon von klein auf eine Leidenschaft von mir. Immer neue Situationen, neue Herausforderungen meistern, die Grenzen ständig verbessern, herausfinden, wo die Limits sind. Wenn ich am Tisch stehe, kann ich abschalten, kann alles rundherum vergessen. Ich bin glücklich, Billard als Beruf ausüben zu dürfen und bin deshalb motiviert, ständig an mir zu arbeiten, mich ständig zu verbessern.”

Du hast 2008 bei der Herren-WM eine Medaille geholt. Was ist das für ein Gefühl?

“Es war überwaltigend, ein Wahnsinn. Wir waren alle überrascht, völlig perplex. Mein Trainer und ich haben uns angesehen, uns zunächst gar nicht richtig gefreut. Nachdem das Turnier schlecht angefangen hat, hatten wir überhaupt nicht damit gerechnet. Aber wahrscheinlich deshalb habe ich dann locker gelassen und auf einmal ist es gegangen. Mit der Aufmerksamkeit ist es danach steil bergauf gegangen. Für mich war es die Bestätigung, dass ich es schaffen kann. Ich bin momentan die einzige Dame, die konstant vorne mitspielt.”

Ist es für dich eine besondere Motivation, gegen Männer zu spielen?

“Ich bin es eigentlich gewohnt. Schon als ich ein kleines Kind war, habe ich ständig neue Herausforderungen gesucht. Auf der anderen Seite motiviert es mich besonders, genauso gut sein zu können, zu zeigen, dass es auf die Leistung und nicht auf das Geschlecht ankommt.”

Gibt es schlechte Verlierer?

“Natürlich. Ich habe immer wieder über drei Ecken gehört, dass der eine oder andere nach einer Niederlage versucht hat, Ausreden zu finden. Aber das ist ok und motiviert mich nur noch mehr. Ich denke mir, Neid ist die beste Form der Anerkennung. In der Herren-Szene bin ich akzeptiert, viele finden es normal, bei den Topleuten passt es sowieso. Es gibt auch noch genug Gegner, aber ich habe bewiesen, dass ich das Recht habe, dabei zu sein.”

Wie sieht ein Tag im Leben der Jasmin Ouschan aus?

“Am Vormittag habe ich eine Billard-Einheit alleine, am späten Nachmittag oder Abend eine Einheit mit meinem Trainer Michael Neumann. Dazwischen stehen Fitness-Center und Mental-Training auf dem Programm. Insgesamt komme ich auf ungefähr sieben Stunden pro Tag. Dazu kommen noch Sachen wie Medien-Arbeit oder Homepage betreuen.”

Wie lauten die Highlights und Ziele für 2009 und darüber hinaus?

“Nach der EM gibt es 2009 noch einige Highlights wie die World Games in Taiwan, die nur alle vier Jahre stattfinden oder die Herren-WM im 14/1, wo ich letztes Jahr Bronze geholt habe. Vielleicht gelingt es mir diesmal, die Farbe zu wechseln. Und im Oktober findet die Damen-WM statt. Hier fehlt mir noch eine Gold-Medaille. Auch auf der US-Profi-Tour will ich weiter nach vorne kommen. In Zukunft möchte ich weiter auf Herren-Turnieren Erfahrung sammeln, mich vor allem im Mentalbereich verbessern. Spielerisch bin ich ja schon sehr weit, und mich medial noch besser verkaufen.”

Jasmin Ouschan Jasmin Ouschan

Das Medien-Interesse im Hinblick auf die EM ist enorm gestiegen.

“Ja, ich freue mich, dass die Medien aufmerksam werden und so das Bild des Billardsports etwas verbessern, den Leuten einen besseren Einblick geben. Billard besitzt bei uns ja nicht besonders viel Aufmerksamkeit. Unser Sport hat in Österreich einfach ein schlechtes Image, das muss man akzeptieren. Aber ich kann das verstehen, die Leute können sich nur schwer ein Bild machen. Woher sollen sie es auch kriegen? Es hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Man muss den Leuten Zeit geben.”

Dennoch bist du im Vergleich zu Asien und den USA hierzulande vergleichsweise unbekannt.

“Die Märkte in diesen Ländern sind einfach größer und der Sport daher ungleich populärer. Aber es ist auch angenehm, daheim entspannen und abschalten zu können. Ich habe damit kein Problem, es ist ein guter Mix. Aber ich merke schon, dass in Kärnten und Österreich allgemein das Interesse steigt.”

Dein Bruder Albin hat im Junioren-Bereich bereits große Erfolg gefeiert. Was traust du ihm zu?

“Wenn er seinen Rhythmus findet, ist alles möglich. Die Frage ist nur, wie lange er diesen aufrechterhalten und mental die Leistung halten kann gegen Leute, die diesen Situationen ständig ausgesetzt sind.”

Geschwister-Duell sind also in der Zukunft durchaus möglich?

“Ja, zum Beispiel bei einer WM könnte das durchaus passieren. Europameisterschaften sind immer getrennt. Ouschan gegen Ouschan – das wäre eine interessante Sache, ein guter Aufmacher.”

[Quelle Sportnet.at]

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